Roman 'Schleuderspuren im Levadatunel' 1. Kapitel online

Schleuderspuren

 

im

 

Levadatunnel

 

 

 

 

 

 

 

von

Rud Landerholm

 

 

 

Exposee:

 

Zwei Freundinnen: Biene (Bigna (Rätoromanisch)) und Dan (Daninka (Slowenisch)) welche seit der Schulzeit, vor mehr als 20 Jahren, immer wieder zusammen viele Aktivitäten teilen, begeben sich zu einem Ferienaufenthalt nach Madeira. Doch bereits vor Antritt der Reise ereignen sich unerklärbare Dinge welche sich im Verlaufe der nächsten 2 Wochen an Intensität steigern, bis zuletzt das Unglaubliche geschieht was sich durch Vorahnungen und Anzeichen manifestiert hatte. Ein Roman mit äußerst fesselnden und dramatischen Passagen und fast mystischen Begebenheiten, die das Weiterlesen geradezu einfordern. Überzeugen Sie sich:

Erleben Sie welche Ängste und Aufregungen die beiden durchzustehen haben:   

Blättern Sie um!

 

 

Inhalt

1.      Kapitel 2

1.1         Verschlungene Ebenen. 2

1.2         Vibrationen am Flugzeug. 4

1.3         Stürmischer Empfang. 8

2.      Kapitel 15

2.1         Begegnung mit der Blumen-Insel 15

2.2         Endlich Ferien. 17

2.3         Der erste Abend. 18

2.4         Der Tag danach. 25

2.5         Wieder auf der Welt. 29

2.6         Großalarm auf Funchal 31

2.7         Die neue Chance. 41

3.      Kapitel 50

3.1         Klippen und  Levadas. 50

3.2         Die Erkundung der Insel 56

3.4         Die Hölle ist los!. 58

3.5         Der schwere Weg zurück. 62

3.6         Die Rückkehr. 65

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schleuderspuren im Levadatunnel

 

 

 

 

 

 

1.   Kapitel

 

 

 

 

1.1           Verschlungene Ebenen

 

 

Hatte ich es ihr doch nicht schon so oft gesagt: Wenn ich in eines meiner Lieblingsbücher vertieft bin sollte sie mich nicht unversehens von hinten ansprechen, es versetzt mich in einen Schreckzustand, so dass ich danach noch während längerer Zeit ein ungutes Gefühl in der Magengegend habe.

Und jetzt, da ich gerade in einer der spannendsten Momente meines Lieblings-Krimiautors stecke ist es wieder soweit!

Die Hand des Mitternachtsmörders beginnt sich zu senken und die Messerklinge rast blitzend im Licht der Straßenlaterne auf die ahnungslose junge Frau zu,- direkt an die linke Seite ihres Halses!- Dann:   Ein Schrei!!! -- mein Herz steht still!!! ---

Es ist Mutter!

Wieder einmal:  Mutter!

 

 

 

„Dan,- es ist Zeit,- dein Flug geht in 3 Stunden und ihr braucht mindestens 1 Std bis zum Flughafen“

 

Ich erschrecke und bin in einem Sprung auf dem Fahrrad.- Doch was um Himmelswillen tue ich mit dem Rad???

Ich habe ja noch den Bikini an, welchen ich vorher während meiner Lektüre am Strand trug!- Und wo ist Mutter, sie hat mich doch gerade eben noch so erbärmlich erschreckt!!!

Und nun bin ich auf diesem Drahtesel ohne Gepäck unterwegs, dem Wasser entlang.

Es beschleicht mich ein unheimliches Gefühl, denn: Mein Rad und ich heben über das Wasser ab und beginnen uns dem Flugzeug über uns zu nähern!?!

 

Da trifft wie ein Blitz die Stimme meiner Mutter erneut an mich!!!

„Bist immer noch in deiner Traumwelt!“

 

Da musste ich nun allerdings sehr in fremde Sphären versunken gewesen sein: hatte ich doch den ersten Traum nur geträumt und wurde erst jetzt aus meinem echten Traum herausgerissen. – Na Hallo! Gibt’s denn sowas???

 

Wohl das erste Mal, dass ich meiner Mutter dankbar war, dass sie mich aus diesem desaströsen Geschehen herausgerissen hatte und ich mich in unserer Welt wiederfand!

Allerdings ziemlich verwirrt stelle ich fest, dass meine Flugvorbereitungen noch nicht abgeschlossen sind. Wo ist nun dieser verflixte Pass wieder hin verschwunden?

Da ringelt auch schon das I-Phon und meine Freundin fragt nach meinem ‚Zustand‘!

Wir kennen uns bereits aus der Schulzeit und sie weiß, dass ich auf größere Ereignisse hin manchmal Druck brauche.

 

Doch diese Geschichte mit dem niedersausenden Messer und dem fliegenden Rad dreht sich immer noch in meinem Kopf.

Was soll das alles? Weshalb beschäftigt mich dies alles noch weiter?

Inzwischen habe ich alle meine ‚Sieben Sachen‘ für die Reise zusammen und Biene holt mich mit einem Taxi zum Flughafen.

 

 

Auf dem Weg erzähle ich ihr die diffuse Geschichte und sie stellt konsterniert fest, dass sie letzte Nacht eine mysteriöse SMS erhalten habe, mit dem Text:

‚Halte Abstand zur Wand‘

 

Während wir uns mit der Abfertigung am Flughafen beschäftigen, lassen wir diese Gedanken ausgeblendet und verbringen die Zeit bis zum Einchecken bei einem nachgeholten Morgenkaffe in der Flughafenlaunch. Wir haben unsere Visionen längstens auf unseren Urlaub auf Madeira ausgerichtet.

Da waren unsere Aktivitäten ausgiebig.

Reiseführer, Landkarte (leider auch im Doppel!) Hotelinformationen, halt eben so, wie das sich zu einem schönen Urlaubsgelingen gehört.

Unsere Gedanken sind längst auf dieser vielversprechenden Insel und gegenseitig lassen wir unsere Erwartungen in schönsten ‚Wachträumen‘ aufblühen und tauschen diese gegenseitig aus. Wir fühlen uns, als ob leichte Wolken uns über dieses Land hinein trügen.

War da aber nicht schon wieder ein Traumerlebnis!

Das blinkende Messer, das fliegende Rad!- Weshalb lässt mich dieser Albtraum nicht los? Ich fühle mich bedrängt!!!

Da reißt mich die Durchsage ‚GATE 34- bitte einchecken, der Flug nach FUNCHAL startet planmäßig um 07.20 Uhr.

 

Eine Erlösung- wir packen unser Handgepäck und begeben uns zum Check-In.

„Hast du deine Reisedokumente noch alle zusammenbekommen?“ spricht mich Biene an und hat einen so launigen Gesichtsausdruck aufgesetzt, dass ich nicht wusste, ob diese Frage ernst gemeint sei, oder sie mich einfach ‚auf die leichte Schulter‘ nehmen wollte.

Die andeutende leichte Hebung der Mundwinkel weist mich dann allerdings auf das Letztere hin.

Mit der Mimik konnten wir uns stets dann weitläufig verständigen, wenn Worte unsere Umgebung nicht mitbekommen sollten,- also fast wie ein ‚altes Ehepaar‘.

Heute machen wir uns manchmal einen Spaß daraus, uns wortlos über diese Kanäle auszutauschen.

 

1.2           Vibrationen am Flugzeug

 

Unsere Plätze sind unmittelbar hinter dem Flügel, linksseits in der Maschine, was mir sehr entgegen kommt. Ich sitze nicht gerne rechts, da ich bei einem früheren Flug bei der Landung einen harten Schlag gegen den Kopf erlitten hatte. Sogenannte Scherenwinde hatten damals das Flugzeug nach rechts abgedrängt und der Pilot musste die Maschine entgegen der Windrichtung auf die Piste bringen, was bedeutete, dass die rechten Räder des Fahrwerks etwas früher griffen als die übrigen und demzufolge wurde mein Schädel schwergewichtig gegen den Kabinenfensterrahmen geprellt.

Ein leichter Brummschädel in den Abend hinein war die Folge. So war mir dann die Ausrede nächsten Tags vorweggenommen. Mindestens konnte ich diesem den Grund nicht mehr sicher zuordnen!

So bevorzuge ich eher den zweiten Sitz von der Bordwand entfernt und überlasse meiner Freundin den Fensterplatz.

 

„Abstand von der Wand“

spricht Biene unvermittelt und wir sehen uns fragend an!

 

Was soll diese Mitteilung für eine Bedeutung haben?

Es kann ja nicht sein, dass eine solche abstruse ‚Warnung‘ für eine Reise in unserem Sinn Aussagekraft haben sollte! Das kann höchstens eine dumme Angstmacherei  sein welche sich eine Arbeitskollegin, oder Kollege von Biene sich erlaubt hat.

„Da gibt es die Eine, die etwas neidische Bemerkungen fallen ließ, als ich von unseren Ferien sprach!“ sagt Biene, „doch lassen wir das“,- „soll sie voller Neid erblassen und sich selber den Kopf stoßen“.

„Genau, wir lassen uns doch die gute Laune nicht verderben“ erwidere ich und so machen wir es uns so gut es geht gemütlich.

 

Der Captain und sein Team………., Sie kennen diese Durchsage und gleich kann es losgehen. Die Verhältnisse sind gut und einem ruhigen Flug steht nichts im Wege.

Entsprechend lassen wir es, nach Erreichen der Reiseflughöhe, entspannt angehen.

 

Nach kurzer Zeit lässt das monotone Geräusch der Triebwerke eine leise Müdigkeit aufsteigen und das obligate ‚Nickerchen‘ hält Einzug!

 

Unvermittelt erhalte ich einen Stich in die Rippen!: Ist das wieder das blitzende Messer, welches niedersaust, schrecke ich zusammen und erblicke im Gesicht von Biene das wahre Entsetzen!!!

Sie starrt mich mit fahlem Ausdruck und starrem Blick an und sagt:

 

„Die Bordwand beim Sitz hat ein Loch!!!,- hörst du das Zischen und fühlst du die Luft die herein strömt, bitte hilf mir,- halte mich fest, das Flugzeug fällt auseinander!

Ich habe furchtbare Angst,- ich will nicht sterben!!!“

 

Einen Moment bin ich verwirrt wegen dem ‚Stich‘ in meine Seite und der kurzen Auszeit bei meiner ‚Messerattacke‘.

 

„Hej Biene,- bitte hab keine Angst,- halt mich“- „Ich kann nichts hören und spüre auch keinen Luftzug!“

„Aber komm auf den Sitz neben mir, der ist frei geblieben, ich schaue bei dir nach, was los ist!“

Während sie die Sitzposition wechselt sagt sie mir:

„An der Kabinenwand hat’s geknallt und gleich darauf einen Ruck gegeben, ich habe es genau gespürt. Es muss was gegen das Flugzeug geprallt sein!“

„Bitte,- bitte,- lass uns nichts passieren“.

„Dan, - ich muss gerade eingenickt sein als es passierte, glaub mir das Flugzeug reißt auf!!!“

„Nein Biene, ein Flugzeug zerreißt nicht plötzlich sonst wären wir bereits weg!,- bitte bleib ruhig, es muss eine Erklärung geben.“

Ich gebe ihr einen freundlichen Klaps auf die Wange und sage:

„Bleib ruhig,- ich sehe gleich nach“

 

Obwohl ich mich sehr überlegen gebe, ist doch auch mein Puls auf höhere Frequenz gestiegen, denn so kenne ich meine Freundin nicht. Sie ist im Gegenteil immer eher die, welche alles locker angeht.

Mit angespannten Sinnen beuge ich mich über den Sitz an der Seitenwand und versuche mit der Hand einen Luftzug zu erspüren und versichere mich, dass nirgends eine Ritze, oder ähnliches auszumachen ist. Mit einiger Erleichterung stelle ich fest, dass nichts Fragwürdiges auszumachen ist.

Der Luftzug, welchen sie vermutlich plötzlich verspürt hatte könnte eventuell aus einer Frischluftdüse herrühren, welche der voransitzende Passagier auf Vollkraft nach hinten ausgerichtet hatte. Und dies womöglich gerade in jenem Augenblick, in welchem sie kurz in die Traumwelt wechselte.

 

Ich versuche sie in diesem Sinne zu beruhigen und biete ihr meinen Sitz an, in welchem, wie ich ihr versichere, die Sicherheit integriert sei!

 

„Bitte entschuldige, aber in jenem Moment, bei meinem Wegtreten, habe ich gerade wieder die ominöse SMS auf meinem Display zu sehen geglaubt.- Alles vermutlich ein etwas überreiztes Nervensystem.“  „Kommt ja auch nicht alle Tage vor, dass einem eine Drohung zugestellt wird.“

 

„Trotzdem, - diesen Knall habe ich bestimmt nicht nur geträumt. Aber vielleicht war es einfach der Sitz, welcher nicht fest eingerastet war.“

„Danke Dan, für deine Hilfe, ich hatte wirklich Panik,- soll nicht mehr vorkommen!“

„OK Biene; stell dir die wunderschöne Blumeninsel vor und lass das Gefühl von Wärme, welches uns dort erwartet auf dich einwirken.“

 

Diese Schreckminuten sind vorbei, lassen jedoch nachträglich auch bei mir ein schales Gefühl in der Magengegend zurück. Weist Fliegen halt doch immer noch ein kleines Restrisiko (wie man heute so sagt) auf.

Nun wieder entspannen und zurücklehnen und den Rest des Fluges genießen.

 

„Liebe Fluggäste, wir werden in wenigen Minuten die Küste erreichen und über dem Meer hat sich eine Front gebildet, bitte schnallen Sie sich an, es könnte etwas holperig werden, danke!“

 

Während wir der Aufforderung Folge leisten, lasse ich meinen Blick unauffällig zu Biene schweifen und stelle fest, dass sie wieder eine blassere Gesichtsfarbe aufzeigt.

Schnellstens spreche ich sie auf das Einchecken im Hotel an um sie abzulenken und stelle erlösend fest, dass sie mir darauf einsteigt.

 

„Die Buchungsdaten habe ich zuhause noch im Doppel ausgedruckt, Dan,falls der eine Satz im Hotel untergehen sollte.- Man weiß ja nie!- hatten wir doch schon einmal eine solche Situation, wo die Unterlagen anscheinend ‚verschwunden‘ waren, nur um sich von den vereinbarten Leistungen drücken zu können!“

 

„Da bin ich froh, du siehst,- ohne dich wäre das Reisen kein Genuss- ich müsste mich andauernd neu vergewissern, ob ich alles beisammen habe!

 

Ein leises Lächeln zieht über ihr Gesicht und ich verspüre eine gewisse Erleichterung. Sind wir doch während diesem Gedankentausch bereits in die Front eingetaucht, ohne dass Biene neue Bange aufgezeigt hätte.

Im Gegenteil, plötzlich bemerkt sie:

„Schon ein bisschen holprig, müsste nicht unbedingt sein!“

Und ihr Gesicht hat auch wieder Farbe angenommen.

 

„Die Zone ist vorbei, Sie dürfen sich wieder abschnallen, danke- und auf dem Video können Sie als Begrüßung Bilder zur Ferieneinstimmung auf Madeira sehen.“

 

„Freundlich und guter Service durch diese Crew. Das lernt man speziell dann zu schätzen, wenn so unangenehme Situationen wie vorher eintreten“, bemerke ich und wir geben uns der Lektüre der Reiseführer hin. Die Beschreibungen der verschiedenen Wandermöglichkeiten, wie auch der unbedingt zu besuchenden Sehenswürdigkeiten lassen einem beinahe den Eindruck einer paradiesischen Insel nahe kommen.

Diese verschlungenen Straßen und die zum Teil wilde Topografie, Schluchten und dichte Wälder sind auf den Glanzseiten des Führers eindrücklich wiedergegeben.

Gegenseitig lassen wir unsere Eindrücke und Erwartungen auf unsere schönen Wochen spielen und finden uns schon bereits vor Ort.

Unsere Gedanken schweifen schon in vollster Ferienlaune und endlich haben wir ein Gefühl vollster Zufriedenheit mit uns und der Welt.

 

 

1.3           Stürmischer Empfang

 

Vor der Meerespassage hatten wir, wie das üblich ist, die Einführung bezüglich richtiger Verwendung der Schwimmwesten erhalten und nun ist über die Bordsprechanlage die Weisung des Cockpits zu vernehmen, es sei den Instruktionen der Flugbegleiter genauestens zu folgen und die Anweisungen derer umgehend umzusetzen.

 

!!!       Was soll nun dies bedeuten?

            Ist dies lediglich eine zusätzliche ‚Trainingseinheit‘ oder   ???

 

Doch umgehend erhalten wir Gewissheit:

Ein smarter Flugbegleiter lässt keinen Zweifel offen: Es ist eine ernst gemeinte Maßnahme!

Während er das Anziehen der Weste nochmals Schritt für Schritt vorzeigt, sind im Zwischengang mehrere Flugbegleiterinnen daran die Umsetzung in den Reihen genau zu kontrollieren.

 

Sofort machen die wildesten Mutmaßungen die Runde, als durch die Lautsprecher die Begründung erfolgt:

 

  • Auf Madeira herrschen Winde mit erhöhten Turbulenzen und der Landeanflug müsste eventuell abgebrochen und wiederholt werden.

     

    Seien Sie jedoch versichert, dass die Sicherheit gewährleistet ist!

     

    Schon erneut wieder eine Stresssituation!- Das nachdem wir bereits einige Aufregungen hinter uns haben.

    Nun tun wir einander gegenseitig leid und versuchen uns entsprechend zu beruhigen. „Es sind ja nur Sicherheitsvorkehrungen und das zeugt ja auch von bester Qualifikation der Crew“.- So versichern wir uns einer voll beherrschten Situation durch unsere Leute im Cockpit!

    Das hilft und wir beruhigen uns ‚Step by Step‘.

     

    Die Durchsage der Landezeit, der Wetterverhältnisse, des Wetters und der Sicht lassen uns wieder etwas aufhorchen:

     

    Wetter sonnig, böiger Südwestwind mit z. Teil kräftigen Spitzen. Landebahn voraussichtlich zu unserer Ankunftszeit freigegeben.

     

    ‚Voraussichtlich,- zu der Zeit freigegeben!? --- CHAOS ???????????????

     

    Was das auch immer heißen soll! Für uns jedenfalls nicht einschätzbar. Eines ist aber beruhigend: Piloten welche diesen Flughafen anfliegen, haben hier eine besondere Ausbildung genossen und erst auf Grund derer eine Anfluglizenz erhalten! Und nachdem die Piste vor ein paar Jahren erneuert wurde gilt sie auch nicht mehr als so schwierig.

    Sie wissen also was sie tun wenn sie diesen Zielort anfliegen. Die Piste ist auf der Südseite der Insel, nahe der Hauptstadt, bei Santa Catarina längs zur Atlantikküste angelegt und nimmt in ihrer Länge eine Verlängerung ins Meer hinaus in Anspruch.

    Das Landemanöver muss allerdings bereits von Beginn weg perfekt klappen und dementsprechend wird auch das Anflugverfahren zum Vornherein minutiös eingeleitet. Die Crew hat sich genauestens an die gegebenen Parameter zu halten. Kleinste Abweichungen werden umgehend berichtigt und bei zu starker Abweichung muss der Anflug erneut angegangen werden.

    Die Anforderungen bei diesem Flughafen sind nur noch vergleichbar mit dem ehemaligen Stadtflughafen Hongkong, wo auch keine Toleranzen zugestanden wurden.

    Da wir all dies um unser Ziel kannten, hatten wir nicht den mindesten Grund beunruhigt zu sein. Wo die Sicherheitsvorkehrungen so strickte eingehalten würden könne ja nichts schief gehen. Und mit all den vielen Flugbewegungen ist auch kaum mal etwas passiert.

    Das Anziehen der Schwimmwesten ist denn auch nur eine der hier präventiven Sicherheitsvorkehrungen.

     

    „In 10 Minuten werden wir in Funchal landen, wir bitten sie die Gurten anzuziehen“

    tönt es wieder aus dem Bordsystem und wir befolgen die Aufforderung.

    Das Bordpersonal kontrolliert die Einhaltung und die richtige Position des Gurtes.

    Das korrekte Anschnallen und die korrekte Sitzposition dient denn auch der körperlichen Unversehrtheit der Passagiere.

    Es ist also im Interesse jedes Einzelnen, die Anweisungen korrekt um zu setzen.

     

    Biene und ich reichen uns noch einmal die Hände und wünschen uns einen schönen und ereignisfrohen Urlaub. Das ist immer ein Ritual das wir durchspielen wenn wir eine gemeinsame Reise antreten. Wir glauben fest daran, denn schon viele Male hat uns dies bestätigt.

     

    Wir sind im Sinkflug und können bereits Details der wunderschönen Anlagen und der Vegetation dieser Insel erkennen.

    Voraus ist auch die Sicht auf den Flughafen möglich. Er scheint allerdings recht weit von unserer Flugrichtung gelegen zu sein. Aber das ist vermutlich wegen der angekündigten Windbeeinflussung. Das Flugzeug wird ja auch mit dem Wind weggetragen und so ergibt sich dann auch eine verschobene Sicht auf unser Zielgebiet.

     

    Je tiefer wir sinken, umso mehr werden wir Zeugen der Windeinflüsse und die Maschine beginnt stark zu rütteln. Die Lage der Maschine zeigt mittlerweile Richtung offenes Meer und die Landebahn verschiebt sich mehr und mehr von uns weg. Wenn wir nicht wüssten, dass da Profis am Werk sind schiene es, als ob wir auf dem offenen Meer eine Wasserung anstrebten!

    Mittlerweile fühlt es sich an, als ob wir auf einer Landwirtschaftsmaschine säßen welche Rüben ausgräbt!

    Rucken,- holpern,- sinken,- steigen. Alles was im dreidimensionalen Raum möglich ist!!!

    Meine Augen richten sich nach dem ominösen Beutel. Ich traue mich kaum nach Biene zu sehen als mich plötzlich eine Hand am Arm packt!

     

    „Glaubst du, wir sind auf Kurs?“

     

    Spricht sie mich an und ich bejahe diese Frage mit scheinbar stoischer Gelassenheit. Was sollte ich anderes tun?

    Wir haben doch auch keine andere Wahl: Nur das Land und die Piste kann unser Ziel sein.- Und dieses werden wir auch präzise erreichen!

     

    Mit dem weiteren Absinken richtet sich unsere Maschine wieder eher der Küste zu, doch je weiter das Flugzeug sinkt, desto stärker werden die Richtungskorrekturen und bald haben wir das Gefühl direkt gegen die Berge zu fliegen. ---

    Richtig beängstigend kaum eine klare Linie vor sich zu sehen!!!

    Und nun beginnt sich das Flugzeug auch noch ruckartig, mit seitlichen Korrekturen zu bewegen, als ob wir von Zeus und Neptun im Wettstreit um deren Vormacht herumgeschupst würden!!!

    Es scheint, als ob eine Gerade zu fliegen nicht möglich wäre!

     

    Bei relativ tiefem Anflug ist es als ob die Maschine wie in einem Lift hochgerissen würde und gleich danach, die Nase wieder gegen das offene Meer zeigend, in ein Loch fällt!!!

     Nun beginnt sich eine allgemeine Unruhe unter den Passagieren auszubreiten und die Flugbegleiter geben bekannt, dass eine Landung nicht möglich wäre und wir durchstarten würden!!!

    Also doch,- eine abnormale Situation??? Nochmals diese Tirade der Gefühle???

     

    Mit ruhigen Erklärungen versuchen die Flugbegleiter die Aufregung abzuflachen und melden eine ‚normale Ausnahmesituation‘!

    Hin und wieder könne man in den Genuss eines solchen Manövers kommen und wir sollten das Können unserer Piloten nach der Landung mit einem kräftigen Applaus honorieren!

     

    Spaß sieht anders aus,- aber es ist wahrscheinlich die einzige Art mit diesem Erlebnis fertig zu werden.

     

    Wir fühlen, wie die Maschine wieder hochgezogen wird um in einer weiten Schlaufe erneut Kurs auf die Insel zu nehmen.

    Unten sieht alles absolut friedlich aus und nichts deutet auf Schwierigkeiten hin.

    Der Anflug wird erneut eingeleitet und es scheint, dass diesmal die Richtung stimmt.

    Also,- aufatmen und entspannen,- diesmal stimmt‘s!

     

    Der Captain meldet sich mit der Information, dass die Landung durch die Sicherheitsdienste des Flughafens gestützt würde und wir uns präventiv auf eine Evakuation der Maschine eizustellen hätten.---- Alle Anweisungen des Flugpersonals seien strickte zu befolgen und wir hätten bis zum Stillstand der Maschine angegurtet zu bleiben und mit dem Kopf gegen die Knie gesenkt absolut ruhig zu bleiben, dann würde dieses Manöver im Guten verlaufen. Es handle sich um Vorsichtsmaßnahmen und es gebe keinen Grund zur Sorge!!!

     

    „Wer‘s glaubt!- flüstert mir Biene zu“ und ich bin versucht ihr zuzustimmen!

    Wir halten uns fest die Hände und klammern uns an den Sitzlehnen fest.

    Die Sekunden werden zu Stunden  und wir hören das Zurückzählen der Höhe durch das Personal bis mit einem gewaltigen Ruck die Maschine fast in Querlage zur Piste aufsetzt.

    Dadurch wird sie wieder in die Gegenlage geschleudert! Ein Hoch- und Runter bringt ein Chaos von Bewegungen in einen undefinierbaren Zustand, welcher, durch das Herumschleudern der Köpfe, zum Horrorszenario ausartet. ---

    Es ist keine Zeit zu realisieren! --- nur Durchhalten und hoffen, dass endlich Ruhe einkehren möge!!!!

    Ein unaussprechlicher Lärm, - Quietschen von Reifen,- hüpfen der Sitze,- Köpfe die gegen die Gepäckfächer knallen und dann nach einer gefühlten Ewigkeit: Totenstille!!!!

    Plötzlich nur noch Stille und kein Mucks von den Leuten!!!

     

    Bis sich die Stimme der Stewardess meldet:

     

  • Wir stehen,--- alles gut, bitte bewahren Sie Ruhe wir können das Flugzeug über die Notrutschen verlassen.

  • Es besteht keine Gefahr mehr, Sie sind in Sicherheit!!!!!!!!!!!

     

    Zögernd beginnt jemand verhalten zu klatschen,-  dann folgen weitere Hände und nach geraumer Zeit ist ein Applaus zu hören, der dem eines solchen für ein großes Orchester nach einer Spitzenleistung in nichts nachsteht!

 

Schluchzen ist zu hören, Gemurmel von Gebeten der Dankbarkeit eines glücklich verlaufenen Unglücks und tränenbedeckte Gesichter von tiefrot bis Bettlaken blass sind zu erkennen!

Niemand versucht diese Emotionen zu verbergen,- alle sind sich bewusst, einer fast unabwendbaren Katastrophe entkommen zu sein!

 

Das Personal geleitet alle Passagiere bestens koordiniert über die Rutschen aus dem Flugzeug und geht danach gemeinsam zum Flugzeug, das mit der Nase und dem Cockpit knapp über der Piste aufliegt.

 

Alle Passagiere stehen in angemessenem Abstand, jedoch sichtlich geschockt, zum Flugzeug welches wie erst jetzt erkennbar wird, schräg  mit einem abgeknickten Fahrwerk, quer zur Piste liegt und beklatschen die Crew bis der Captain das Fenster öffnet und sich gegenüber den Leuten bedankt und die unruhigen Momente entschuldigt.

 

  • Wir haben doch nur unseren Job gemacht!!! ß   

     

    Wir halten uns in den Armen! Um uns herum stehen die Leute und weinen, -stehen bewegungslos da, - das Geschehene,- Unfassbare wahrnehmend und trauen kaum sich zu rühren.

    Die Wahrnehmung, noch zu leben, stellt sich erst langsam ein und manche sehen sich ungläubig an! Erst nach und nach lassen sich gequält einige Worte hören.

    Während eine erste Information angekündigt wird, werden wir, mit noch zitternden Knien, durch Betreuungspersonal behutsam zum Flughafen geführt und dort in einem separaten Raum betreut.

     

    Wie ist das möglich, einem solchen Trauma unversehrt zu entkommen?!?

    Das Geschehen sei voraussichtlich durch eine Störung bei der Steuerleitung der Leitwerke gekommen.

    Diese Information wurde inzwischen von einem mitgereisten Linienpiloten verlautbart und ist nun natürlich sofort Thema Nummer Eins.

    Die Routine des Flugpersonals hätte einen schlimmeren Verlauf verhindert!!!

     

    Daher also die Ursache dieser Horrorlandung und der vorangegangenen Einwirkungen.

    Das waren nicht bloß Witterungseinflüsse, sondern kumuliert mit technischen Problemen ein Zusammentreffen verschiedener negativer Faktoren.

     

    Wie viele Schutzengel mussten wir gehabt haben, einer totalen Katastrophe mit vielen Toten entgangen zu sein!!!

     

    Auch dem Bodenpersonal ist zu verdanken, dass das Schlimmste nicht eintreten konnte: Ein entstehender Brand!

    In Vorbereitung zur Landung wurde präventiv ein Schaumteppich gelegt, um einem durch Funkenbildung möglichen Brand, entgegen zu wirken.

    Demnach müssen alle ‚Guten Geister‘ in diesem Szenario mit uns gewesen sein!- Danke!

     

    Der anschließenden ersten Information über den Vorfall wurde, neben der einzelnen individuellen Betreuung, sehr großes Gewicht beigemessen.

    Dabei wurde speziell darauf hingewiesen, dass die Gründe welche zum Unfall führten erst nach der sofort einsetzenden Untersuchung der Flugunfallbehörde aufgezeigt werden könnten und im Moment jede spekulative Stellungnahme abzulehnen sei!

    Die Betroffenen würden alle persönlich über den weiteren Verlauf der Abklärungen und deren Erkenntnisse proaktiv informiert.

    Für Fragen in der Folge erhielt jeder eine Kontaktadresse, bei welcher direkt spezifische Auskunft und Hilfe zu diesem Fall gewährt sei. Ebenfalls werde in Sachen Versicherung und Entschädigung so schnell wie möglich Kontakt hergestellt.

    Jeder Passagier wurde durch geschultes Personal betreut und nach eventuellen Beschwerden befragt. Das Erreichen der Angehörigen wurde sofort und kostenlos in die Wege geleitet und die ersten Bedürfnisse soweit als möglich befriedigt.

    Für schwieriger Betroffene wurden schnellstens Ärzte und Spezialisten eingesetzt.

     

    Umgehend waren auch für die Verpflegung Verantwortliche vor Ort und haben sich um das körperliche Wohl der Leute gekümmert.

    Für den Transport zu den Hotels wurden schnellstens Taxis bereitgestellt und der Beibringung des Gepäcks wurde höchste Priorität zugeordnet. Da kein Feuer und Wasserschaden entstanden war, konnte dies schnell und problemlos erfolgen, sodass jeder Reisende nach den nötigen Informationen und vorsorglichen gesundheitlichen Abklärungen die Weiterreise zu den Unterkünften antreten konnte.

    Nach der sehr professionellen Betreuung vor Ort wurden alle mit den nötigen Unterlagen zur weiteren Nachbearbeitung des Falles versorgt und der weiteren Betreuung versichert.

     

    Dem Flugpersonal und speziell den Piloten wurde noch vor Ort durch die Behörde eine besondere Ehrung zuteil.

25.3.16 14:11

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